Ich spreche aus Erfahrung. Das war nicht immer so. Damals in London zum Beispiel nicht, wo ich Englisch studierte und Schuhe kaufte und die Verkäuferin fragte: „Do I have to impregnate them?“ Die Frau schaute mich verdutzt an, um dann mit einem verlegenen Lachen zu antworten, „No, no, you really don’t!“ oder so. Als ich bezahlte, war sie immer noch am Kichern. An der Kasse flüsterte sie ihrer Kollegin was zu, worauf diese so richtig loswieherte. Voll flabberghasted verließ ich den Laden und konnte mir keinen Reim drauf machen, was passiert war. Später, im Wohnheim, ließ mich mein Oxford-Duden wissen, dass ich gefragt hatte, ob ich meine Schuhe „schwängern“ müsse. Meine Abschlussnote war trotzdem ganz ok.

Inzwischen weiß ich, dass man sich nicht nur im richtigen Leben, sondern auch beim Gebrauch einer Fremdsprache, Englisch zum Beispiel, vor falschen Freunden hüten möge – vor jenen „false friends“ also, deren trügerische Ähnlichkeit mit einem Wort unserer Haussprache uns gerne mal als Vollidioten dastehen lässt. Gott, es gibt so viele von ihnen. „Actually“ ist einer von der Sorte, oder „eventually“. Sie tun nur so, als hätten sie etwas mit „aktuell“ oder „eventuell“ zu tun. Auch ist es vernünftig, „sensible“ nicht mit „sensibel“ zu oversitten.

Littger kennt nicht nur false, er kennt auch „lousy friends“ – so nennt er deutsche Worte, die so tun, als seien sie englische

Peter Littger kennt die meisten unserer falschen Freunde von der Insel. Sonst könnte er auch nicht die Kolumne „Fluent English“ für SPIEGEL-Online schreiben oder das ebenso unterhaltsame wie informative Buch „The devil lies in the detail – Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblingsfremdsprache“. Dieses Buch hat er neulich – mit Unterstützung seines Freundes und „Telefonjokers“ Richard Edgar – als Hörbuch eingelesen. Insbesondere das feinperlige BBC-Englisch des native speakers Edgar fügt dem gedruckten Text eine entscheidende Komponente hinzu. Schließlich geht es ja nicht zuletzt darum, wie „wir“ Englisch (nicht) sprechen oder sprechen sollten. Schön zu hören, wie das klingen kann.

Littger kennt nicht nur false, er kennt auch „lousy friends“ – so nennt er deutsche Worte, die so tun, als seien sie englische: „Handy“, „Beamer“, „Homestory“, to name but a few. Keine schlechte Idee, sich für die ganzen Anglizismen hier zu rächen, indem man einfach selber welche erfindet. Nimm das, du „Dressman“! What really shoots the bird off in Sachen deutscher Englischverunglimpfung ist aber das sogenannte „Filserenglisch“, das die deutsche Journalistin Gisela Daum in ihren „Filserbriefen“ (in Anlehnung an Ludwig Thomas „Jozef Filsers Briefwexel“) erfunden bzw. populär gemacht hat. Auch das „English for Runaways“ eines gewissen Otto Waalkes kommt einem in den Sinn. „Filserenglisch“ is what happens when you zum Beispiel oversit things wordwordly oder auf den Equalsound zweier Wörter reinfällst oder when you einfach den German Satzbau ins Englische overcarry. Helmut Kohl soll zu Margaret Thatcher gesagt haben: „You can say ‚You‘ to me.“ Auch das dem Bundespräsidenten Heinrich Lübke zugeschriebene (in Wahrheit aber von SPIEGEL-Redakteuren erfundene) Zitat: „Equal goes it loose“ ist ein Beispiel für filigranstes Filsern.

Sprachliche Verschleierung des eigentlich Gemeinten bis hin zum Gegenteil

Weil Sprachfallen immer auch Kulturfallen sind, widmet sich Littger auch bestimmten englischen Konventionen, die Missverständnisse für Nicht-Eingeweihte fast unvermeidlich machen. Das permanente „Sorry“-Sagen ist eine dieser Idiosynkrasien. „Sorry“ kann zum Beispiel so etwas heißen wie: „Was soll das denn, du Arschloch!“ Insofern ist die Sorry-Manie dem legendären englischen Talent zur sprachlichen Verschleierung des eigentlich Gemeinten bis hin zum Gegenteil sehr verwandt. „You must come to dinner“ ist keine Einladung, sondern eine Höflichkeit. „I almost agree“ heißt in der Regel „I don’t agree at all“. „I’m sure it’s my fault“ = „Du bist schuld.“

Tröstlich zu wissen, dass auch viele Amerikaner kein Englisch verstehen. Da ist die Frage, ob man „colour“ mit oder ohne „u“ schreibt, noch das kleinste Problem. In London ist es völlig in Ordnung, um eine „fag“ zu bitten, wenn man eine rauchen will. Aber benutzen Sie dieses Wort nie, nie in den USA: Das dortige „fag“ bedeutet „Schwuchtel“! Betreten Sie ein englisches Erdgeschoss, dann betreten Sie, logisch, den „ground floor“. In Amerika hingegen müssen Sie dafür den „first floor“ aufsuchen. Noch so ein kleiner Unterschied: „Pants“ sind bei den Noch-Europäern die „Unterhosen“, in den USA jedoch nur die „Hosen“. Kann man sich ja mal merken.

Short and good: „The devil lies in the detail“ ist: ein gut vorgelesener Kolumnenband und Sprachführer, der uns unsere Lieblingsfremdsprache auf charmante Art ent-fremdet; eine Sprach-, Nach- und Lachhilfe; wirklich vieles, nur nicht longwhily.

PS: An afterfollower (hear) book is for the June announced!

Prego Empfiehlt

The devil lies in the detail
Peter Littger, Richard Edgar

Richtiges Englisch? Verdammt schwierig. Millionen Deutsche geben sich für ihr Sprachkönnen eine gute Note, doch selbst die Besten machen Fehler. Humorvoll und geistreich bringt der Autor der erfolgreichen SPIEGEL-ONLINE-Kolumne „Fluent English“ Licht ins Dickicht der deutsch-englischen Sprachverwirrung.

Joachim Otte

Joachim Otte ist Kulturveranstalter, Moderator und prego-Redakteur.

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