Essen kann jeder. Aber kochen will gelernt sein. Dass es dafür nicht sehr viel mehr bedarf als Neugier, Freude am Tun und ein wenig Fingerspitzengefühl, zeigt das gemeinsame Kochen mit Kindern. Die prego-Redaktion hat Fiona, Paula und Aaron in die Küche des Restaurants Slowman eingeladen, um dort den Silberlöffel für Kinder zu schwingen und drei Rezepte aus dem gleichnamigen Kochbuch auszuprobieren. Plat du jour sind: Sommersalat mit Cannellinibohnen, Kartoffelgnocchi mit Tomatensoße und Bananencreme zum Dessert. Die Messer sind gewetzt, Küchenchef Hanno steht für knifflige Fragen bereit. Viele Köche verderben den Brei? Ach was.

Ran an den Speck, ihr Nachwuchsköche! Auf unserem Tisch liegen: eine Aubergine, eine gelbe Paprika und zwei schöne, reife Tomaten – alles Zutaten für den Salat. Was wir nicht haben, sind die Bohnen aus der Dose, ich habe getrocknete Cannellinibohnen gekauft und über Nacht eingeweicht. Und die müssen jetzt noch kochen. Damit fangen wir an, denn das dauert eine Weile.
Hanno:
Getrocknete Bohnen sind eigentlich gar nicht schlecht, weil die sich beim Kochen besser für das Aroma öffnen. Man könnte da jetzt beispielsweise noch Lorbeerblätter ran tun, aber für Kinder ist es schön, das ganz plain zu machen. Wir geben nur ein bisschen Salz ins Wasser, das genügt.
Paula: Und im Rezept steht »glatte Petersilie«, was soll das denn heißen?

Glatte Petersilie haben wir hier, schau dir mal die Blätter an: Die sind ganz ohne Falten und ohne Kräusel. Eben glatt. Vom Gemüse nimmt sich jetzt jeder eine Sorte vor und schneidet kleine Würfel. Fiona die Aubergine, Aaron die Paprika und Paula die Tomaten.
Fiona:
Was bitte bedeutet, man soll das »mit der Brückentechnik schneiden«? Geht das Messer unter der Brücke aus Fingern durch?
Miriam: Ja, ganz genau. Du siehst das auf den Bildern vorne im Buch. Es geht vor allem darum, dass du dir nicht in die Finger schneidest.
Paula: Oooh, sind die Messer scharf. Wie fange ich bloß an? Erstmal das Grüne da oben raus? Und dann? Soll ich so Stücke machen?
Hanno: Probier es mal so (zeigt, wie man die Tomaten schneidet).
Aaron: Ey, schau mal, wie schön das aussieht, wenn ein echter Koch das macht! Richtige Scheiben!
Paula: Und bei mir fällt nur der Kernschwabbel da innen raus, wenn ich schneiden will.
Aaron: Mmh, die Paprika schmeckt gut!
Fiona: Du naschst, das macht man nicht!
Aaron: Natürlich macht man das, man nascht beim Kochen! Wann denn sonst?
Paula: Aber immer nur das, was man selber schneidet.


Während wir das Gemüse schneiden, garen die Cannellinibohnen mit etwas Salz. Etwa 40 Minuten später werden sie genau richtig sein – genug Zeit, um inzwischen die Kartoffeln für die Gnocchi vorzubereiten.


Beim Kartoffelschneiden ist wieder die Brückentechnik angesagt. Und mit so einem scharfen Messer schneidet sich die Kartoffel beinahe von alleine.
Fiona: Das kenn ich aus dem Kochkurs!

Du hast schon einen Kochkurs gemacht?
Fiona: Ja, mit drei Gängen. Ich koche auch zu Hause oft.

Was ist denn Dein Lieblingsrezept?
Fiona: Grießbrei und Bratkartoffeln. Und Lachs.

Du kannst schon Fisch zubereiten? Respekt! Wie machst Du den Lachs?
Fiona: So ganz normal mit Zwiebeln und Gemüse. Das ist eigentlich einfach. Man muss es halt nur schön lecker anbraten.

Kochst du auch, Paula?
Paula: Nur in den Schulferien, wenn meine Eltern arbeiten. Dann müssen meine Schwester und ich kochen. Meistens gibt es dann Nudeln, das essen alle gerne. Da kann man auch nicht viel falsch machen, außer, dass die Nudeln zu lange kochen. Und genau das ist uns auch schon passiert.

Und du, Aaron?
Aaron: Ich kann nicht kochen. Nur Fertigpizza. Schmeckt auch.

Für die Gnocchi soll man laut Rezept die Kartoffeln dämpfen. Hanno, wie macht ihr das in eurer Küche?
Hanno:
Ja, dämpfen ist schon richtig für Gnocchi, weil die Kartoffeln nicht so viel Wasser beim Garen aufnehmen und der Teig dann besser gelingt. Dafür sollten sie aber besser ungeschält bleiben. Wenn sie allerdings geschält sind, dann kann man die Kartoffeln auch gleich kleiner schneiden, damit das Garen nicht mehr so lange dauert. Und seht ihr, was mit den Stücken passiert, wenn die hier so geschält rumliegen?
Paula: Iih, die werden braun!
Hanno: Genau, die oxidieren. Das passiert auch mit der Aubergine, die du geschnitten hast, Fiona. Das schmeckst du nicht, es sieht nur anders aus.
Paula: Kleine Kinder wissen das nicht. Die essen einen Apfel nicht mehr, wenn er mal oxidiert ist. Aber die kennen ja auch nicht dieses Wort.
Hanno: Und nach dem Schneiden waschen wir die Kartoffeln noch mal in der Schüssel, damit die Reste von Staub und Erde abgehen. Seht ihr, wie das Wasser milchig wird? Das ist die Stärke, die ist weiß. Und jetzt ab in den Kochtopf damit. Aaron, stell mal die Kochuhr auf 20 Minuten, das sollte reichen, damit die Kartoffeln richtig schön weich werden und wir sie gut matschen können.

Für den Bohnensalat braten wir jetzt das geschnittene Gemüse in Öl an. Paula, schälst du mal eine Knoblauchzehe für uns?
Aaron: Ooh, Knoblauch, muss das sein?
Miriam: Die Zehe ist nur beim Anbraten dabei und kommt nachher wieder raus. Wir fangen mit der Paprika und der Aubergine an, die Tomaten kommen später dazu.
Fiona: Ui, die Pfanne ist richtig heiß, das Gemüse wird schon ein bisschen braun.
Aaron: Na toll, es brennt an, das läuft ja echt prima.
Fiona: Da müssen wir einfach die Hitze runter stellen. Gemüse anbraten, das kann wohl wirklich jeder!


Das Gemüse ist gar, wir geben die Zitronenschale und die gekochten Bohnen dazu und schwenken alles gut durch. Die Knoblauchzehe wird rausgefischt, und vier Probierlöffel senken sich in die Pfanne.


Und jetzt könnt ihr bereits salzen und pfeffern. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Und danach die Kräuter zupfen.
Aaron: Mein Lieblingsjob! Ich liebe Pfeffer! Und Kräuter zupfen kann ich auch gut. Im Buch steht, man soll ’ne Schere nehmen, aber zupfen macht mehr Spaß. Man soll »vier frische Blätter Basilikum« nehmen, ich nehm fünf. Mindestens.
Fiona: Ich finde, das sieht ziemlich gut aus.
Paula: Ja, und es riecht wirklich lecker!
Hanno: Und, was fehlt?
Paula: Die Kräuter!


Wir warten noch ein paar Minuten ab, bis das Gemüse ein bisschen abgekühlt ist und dann: rein damit. Und für das gewisse Etwas noch den Zitronenabrieb …


Hanno: … und ruhig ein bisschen Zitronensaft und etwas Zucker. Und vielleicht sogar etwas Essig, wenn ihr mögt, damit für alle Geschmacksbereiche auf der Zunge was dabei ist.
Aaron: Fleisch fehlt jedenfalls nicht. Finde ich. Fleisch esse ich sehr selten, ich bin ein Teilzeitvegetarier. Fast Vollzeit.
Fiona: Ich war früher Vegetarierin. Aber ich hab damit aufgehört. Mir haben die wichtigen Stoffe darin gefehlt, und ich hatte einen Mangel von irgendwas. Ich hatte mal ein Pflegelamm im Urlaub, und als ich es eines Tages besuchen wollte, war es nicht mehr da. Stattdessen gab es Lammspieße. Ich war total traumasiert.

Hanno: Jetzt können wir mit den Gnocchi weiter machen. Die Kartoffeln sind gar, und wir lassen sie noch ein wenig ausdampfen, dadurch verlieren sie wieder etwas Wasser und sind gut für unseren Teig. Man braucht da ein bisschen Fingerspitzengefühl, es ist ein sehr kleiner Schritt von »richtig super« zu nur »ganz gut«.

Die Tomatensoße ist dagegen ganz einfach, die Tomaten köcheln nämlich fast von allein in der Pfanne. Fiona, übernimmst du die Dosentomaten?
Fiona: Ja, dann kann ich sie gleich mal probieren. – Uh, die schmecken sauer.
Hanno: Da steht der Zucker schon! Und ich quetsch den Knoblauch. Freiwillig.


Jetzt müssen wir die Soße auf dem heißen Herd ein bisschen sich selbst überlassen, während wir die Gnocchi formen und kochen.


Paula: Oh, es blubbert schon! Soll das so? Ich bewach das mal lieber.
Hanno: Ehe wir die Gnocchi herstellen, machen wir unseren Arbeitsplatz ganz blitzblank. Erste Regel …
Fiona: … Sauberkeit!
Hanno: Genau. Und dann geht es los. Aaron, Du quetschst die Kartoffeln durch die Presse.
Aaron: Wie mach ich das denn ab, was nicht von alleine von der Presse in die Schüssel runterfällt?
Hanno: Einfach mit der Hand. Hast ja saubere Hände.
Aaron: Hab ich das?
Hanno: Davon gehe ich aus!


Die gepressten Kartoffeln werden mit Mehl und einem Ei zu einem geschmeidigen Teig verarbeitet und geknetet. Auf der Arbeitsfläche formen wir daraus lange Rollen, von denen die Gnocchi abgeteilt werden und in den Kochtopf wandern, den Aaron bewacht. Parallel dazu bereitet Paula die Nachspeise zu.


Für den Nachtisch nehmen wir Joghurt, Bananen und Honig. Und Mascarpone – sehr fett und sehr lecker. Aber 4 Löffel davon für uns vier – das ist wirklich nicht viel.
Paula:
Und acht Löffel Joghurt kommen dazu, und die gequetschten Bananen, mmh, das sieht ja jetzt schon lecker aus! Kann ich auch drei Bananen reinquetschen, anstatt nur zwei?
Miriam: Wenn dir drei Bananen besser schmecken als zwei, dann nimmst du drei.
Paula: Wir sollten einfach von allem mehr nehmen, mindestens das Doppelte!
Hanno: Dessert fertig? Gnocchi fertig? Soße fertig, mit Öl und Basilikum? Den Salat probieren wir gleich alle noch mal. Danach räumen wir auf und machen alles richtig schön sauber hier. Und dann schaut euch an, was ihr heute geschafft habt! Guten Appetit!
Aaron: Ja, jetzt kommt das Beste: Essen!
Paula: Oooh, die Gnocchi sind richtig lecker!
Aaron: Ach ja, und warum? Weil ich sie gekocht habe!
Fiona: Siehste, du kannst es also doch!


Hanno Hansch

Hanno liebt Rock und Punk und begann 1998 seine Laufbahn als Koch im Tafelhaus unter der Leitung von Christian Rach. Mittlerweile ist er einer der Küchenchefs und Geschäftsführer im Restaurant Slowman in Hamburg.

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Miriam Holzapfel

Miriam Holzapfel studierte Angewandte Kulturwissenschaften und interessiert sich für alltagskulturelle Praktiken aller Art. Sie ist Redakteurin bei prego.

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