Es geht ja alles immer so schnell: Schon wieder ist Halloween, genauso, wie es zum Beispiel dauernd Montag ist, oder ständig der Sommer vorbei. Gerade erst hat man die letzten hart gewordenen Halloween-Bonbons diskret dem Mülleimer übergeben und die schimmeligen Kürbisse aus dem letzten Jahr vom Balkon entsorgt, da kommt schon Nachschub. So ist es eben, man badet nie zwei Mal im selben Fluss, pantha rei, stirb und werde.

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Aber apropos „stirb“: Im letzten Jahr habe ich allen Halloween-Verweigerern den „Día de los muertos“ ans Herz gelegt, einen der wichtigsten Feiertage in Mexiko. Dem Glauben nach kommen die Verstorbenen von Ende Oktober bis Anfang November nach Hause zu ihren Familien zurück, es werden kleine Heimaltäre aufgestellt, bunte Kerzen angezündet und besondere Speisen gereicht, zum Beispiel das traditionelle „Pan de muerto“, ein gehaltvolles, süßes Hefebrot. Seine charakteristische Form soll an die Knochen der Verstorbenen erinnern und an die Tränen der Trauernden.

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Um nun dem diesjährigen Halloween / Reformationstag / dia de los muertos in meinem Haushalt wieder etwas Neues hinzuzufügen, backe ich dieses Totenbrot – und zwar gemeinsam mit einem Kind, dem es überhaupt nicht seltsam vorkommt, dass man in Mexiko alljährlich ein Wiedersehen mit den Seelen der Verstorbenen feiert. Im Gegenteil: Das Kind findet das schön und naheliegend und legt begeistert los. Es kennt noch niemanden, der gestorben ist, selbst alle Haustiere sind noch am Leben. Das ziegelsteindicke Kochbuch „Mexiko“ von Margarita Carrillo Arronte stellt zwei Rezepte für das Totenbrot vor, eins aus der Gegend von Oaxaca mit Anis, ein anderes aus Zentralmexiko ohne. Beide aber mit Orangenblütenwasser. Dieses ist zum Beispiel in Apotheken erhältlich und riecht beim Öffnen ein wenig scharf, wie Kölnisch Wasser fast, schmeckt aber im Brot ganz vorzüglich und ist die eigentliche kulinarische Pointe dieses Gebäcks, so viel sei verraten. Weil meine mexikanischen Freunde nun zufällig aus Oaxaca kommen, entscheide ich mich für Anis.Das Brot ist fix gebacken aus folgenden Zutaten:

250g Weizenmehl
2 EL Zucker
1 Prise Meersalz
¾ TL Trockenhefe
2 Eier
5 EL Milch
1/4 TL Orangeblütenwasser
50g weiche Butter
1 TL Anissamen
Sesam zum Bestreuen

Vom Orangenblütenwasser nehmen wir etwas mehr als im Kochbuch veranschlagt, wenn schon denn schon – benutzt man ja sonst nie, dieses feine Wässerchen. Alles wird miteinander vermengt, der Teig muss gehen, wird dann zu Ovalen mit Querrippen und Kugel in der Mitte geformt, mit Eigelb bestrichen und für eine knappe halbe Stunde bei 200° C im Ofen gebacken.

In Oaxaca werden die Brote mit etwas Sesam bestreut, was gut zum süßen Anis-Aroma passt. Das Kind, das noch nichts vom Sterben weiß, möchte außerdem bunte Zuckerstreusel verwenden, um das Gebäck noch schöner als ohnehin schon zu machen – schließlich soll es alles gut aussehen, denn die Verstorbenen sind sicher weit gereist und vielleicht isst auch bei toten Seelen das Auge mit. Außerdem könnte dann die Freude auf das nächste Jahr umso größer sein, wenn es ein erneutes Wiedersehen geben wird. Zumindest wenn man so daran glaubt, wie es eine Achtjährige kann.

  • Foto: contraelpromediomexicano.com
  • Foto: Flickr, Michelle
  • Foto: pieintheskybcn.wordpress.com
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Miriam Holzapfel

Miriam Holzapfel studierte Angewandte Kulturwissenschaften und interessiert sich für alltagskulturelle Praktiken aller Art. Sie ist Redakteurin bei prego.

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